Nur Mut!

B&O Energietage

Nur Mut!

Digitalisierung, digitale Revolution, digitale Transformation – wie man den Wandel auch beschreibt, die neue Vernetzung verändert die Gesellschaft und Wirtschaft tiefgreifend, schnell und irreversibel. Auf den diesjährigen B&O Energietagen in Bad Aibling ging es darum, wie diese Transformation in der Wohnungswirtschaft wirkt, nach welchen Mustern sie abläuft, was und wer die relevanten Treiber sind und wohin die Reise gehen könnte.

Die Digitalisierung gilt als die vierte industrielle Revolution. Das beschäftigt auch die Experten der Wohnungswirtschaft und bringt sie dazu, vielerlei Zukunftsbilder zu entwerfen, genauer: Puzzleteile von Zukunftsbildern. Es sind allerdings nur Ausschnitte, Aufrisse – keiner schafft es bisher, ein großes, ganzheitliches Gemälde zu entwerfen. Und so gibt es positive Szenarien mit urbanen, grünen Niedrigenergiequartieren voller nützlicher Smart Home Technologien, wo Jung und Alt glücklich vereint in bezahlbaren, modular gebauten Wohnungen leben und auch noch dort arbeiten, aber auch Angst-Szenarien, in denen künstliche Intelligenz und Roboter Arbeitsplätze vernichten und die Menschen überwachen.

Wohnungswirtschaft: Es gibt noch Luft nach oben

In seinem Grußwort stellte Jochen Töpfer, Gründungsgesellschafter bei B&O, die Herausforderungen der Wohnungswirtschaft angesichts des rasanten Wandels in den Mittelpunkt. Angst brauche keiner haben, so sein Ansatz. Man solle die Digitalisierung vielmehr als Chance begreifen. Um dann aber erfolgreich zu sein, brauche es Schnelligkeit, Umsetzungsstärke und viel Digital-Know-how, über alle drei Faktoren verfüge B&O. Mit Kongressen wie diesem will eben auch B&O das Thema Digitalisierung in der Wohnungswirtschaft vorantreiben. So waren sehr versierte Referenten eingeladen, die ganz unterschiedliche Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft aufzeigten. Das machte die Veranstaltung spannend.

Eines stellten aber alle fest: Die Wohnungswirtschaft hat die Bedeutung der Digitalisierung erkannt. Die digitale Transformation nimmt daher – wenn auch spät – Fahrt auf. Das ergab auch eine Umfrage unter den Mitgliedern des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. Das Problem dabei ist nur: vielen Unternehmen fehlt noch die strategische und strukturelle Ausrichtung und das bremst. Als Kernprobleme wurden die fehlenden personellen Ressourcen, der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern und die internen Widerstände der Mitarbeiter identifiziert.

Gleichzeitig kommt eine neue Generation auf die Unternehmen zu: die Generation Z. Professor Dr. Antje-Britta Mörstedt, Vizepräsidentin der PFH Private Hochschule Göttingen, forscht seit vielen Jahren dazu. Sie erklärte mitreißend und praxisnah, wie diese Generation tickt. Dabei lenkte sie das Augenmerk auch auf die gesellschaftspolitische Dimension. Statt Euphorisierung oder Dämonisierung verwies sie auf den Weg der aktiven Gestaltung durch alle Beteiligten und warb für einen Generationenmix.

Marktforscherin Bettina Harms-Goldt von der Hamburger Beratungsgesellschaft Analyse und Konzepte ist bundesweit in der strategischen Beratung von Wohnungsunternehmen tätig und schrieb für den GdW eine Studie zur Digitalisierung.

Sie setzte sich in ihrem Vortrag kritisch mit dem bisher Erreichten auseinander und war der Meinung, dass bei der Digitalisierung in der Wohnungswirtschaft noch einiges möglich sei. Immer deutlicher werde, dass es dabei um viel mehr gehe, als nur um die digitale Umsetzung herkömmlicher Prozesse. Es gehe auch um Geschäftsmodelle, um Organisation und veränderte Arbeitsformen.

Mit viel Fachwissen aus dem Blickwinkel einer Wohnungsgenossenschaft schilderte Daniel Kempe das Vorgehen von „EINHEIT“ eG Chemnitz. Sie zählt mit knapp 6.600 Mitgliedern und über 6.100 Wohnungen zu den größeren Wohnungsgenossenschaften in Sachsen. Auf Grund der zunehmenden Kundenanforderungen, dass alle Prozesse schneller, schlanker und zu jeder Zeit verfügbar sein sollen, engagiert sich die Genossenschaft stark bei dem Thema und nimmt in der Region eine Vorreiterrolle ein.

Den Abschlussvortrag hielt Sascha Lobo als einer von Deutschlands prominentesten Netz-Vordenkern. Er prägte den Diskurs über die Digitalisierung und zeigte dem Auditorium an vielen Beispielen die Auswirkungen des Internets auf Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Kultur und vor allem die Bau- und Wohnungswirtschaft auf. „Digitalisierung und Globalisierung haben vorher Unverbundenes vernetzt, vorher Übersehenes sichtbar gemacht und uns die Hoffnung geraubt, Politik, Wirtschaft und Eliten hätten eine gewisse Kontrolle über den Lauf der Dinge“, sagte Lobo. Wer Datenströme bei Kunden kontrolliere, kontrolliere den Markt.

Es wird deutlich: Digitalisierung ist eine große Chance, aber es ist nicht immer eine Party. Digital-Plattformen und -Netzwerke beschleunigen und intensivieren. Darauf gilt es, sich einzustellen. Veränderung bringt auch nicht nur Spaß, denn viele fühlen sich durch die technologischen Veränderungen überfordert. Dem gilt es rechtzeitig gegenzusteuern. Für Unternehmen, die das begriffen haben, ist Digitalisierung dann aber tatsächlich eine große Chance. Würden auch auf politischer Ebene noch einige gesetzliche Vorgaben verbessert werden, wäre die Wohnungswirtschaft noch viel innovativer, so Töpfers Schlusswort.

Hochkarätige Referenten und Teilnehmer

Das Motto der Tagung „Digitalisierung in der Wohnungswirtschaft – wo stehen wir und wohin geht die Reise?“ traf offensichtlich genau ins Schwarze. Schon die Anmeldezahlen signalisierten ein überaus großes Interesse. Die Plätze waren in Rekordzeit vergeben. 100 hochkarätige Teilnehmer konnten mit den Experten auf dem B&O Gelände in Bad Aibling diskutieren und Lösungsansätze entwickeln. Unterstrichen wurden Aktualität und Dimension des Themas Digitalisierung durch die European Digital Week, die parallel in Frankfurt am Main lief.

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