Mitarbeiter im Portrait – Rock ‘n’ Roll mit Claudia Misof

02.12.2020, 15:12 Uhr | Gina

Bereits im Alter von sechs Jahren war Claudia Misof eine Tanzmaus – so nennt sich die Einsteigergruppe im Rock ‘n‘ Roll in ihrem Heimatort Raubling. In diesem jungen Alter war es damals für sie noch schwer, Arme und Beine zu koordinieren, nichtsdestotrotz wollte sie unbedingt zu den Tanzmäusen. Mittlerweile steht Claudia nicht nur beim Tanzen fest auf beiden Beinen, auch bei B&O ist sie seit nun über drei Jahren ein Teil der Personalabteilung und kümmert sich dort um die Personalbeschaffung, Rekrutierung von Fachkräften und unterstützt bei der Personalentwicklung.

Damals wurde aufgrund des Jungenmangels in der Gruppe noch in Mädchen-Mädchen-Konstellationen und nur aus Spaß getanzt. 2006 ging sie dann den nächsten Schritt und wechselte zum größeren Rock ‘n‘ Roll Club Rosenheim 1977 e.V. in den Leistungssportbereich. Seitdem geht es im Rahmen von Meisterschaften für Claudia und ihren Tanzpartner teilweise quer durch Deutschland. In diesem Club gibt es verschiedene Klassen, von den ganz jungen bis zur A-Klasse, in der die richtigen Profis tanzen, die dann gerne auch mal durch die Luft fliegen. Claudia ist in der B-Klasse, wo schon viele komplizierte Choreografien getanzt werden: „Doppelte Saltos sind nichts für mich, ich bleibe lieber am Boden!“

Wer tanzen möchte, braucht vor allem Kraft

Wer bei Rock ‘n‘ Roll an die typischen Hollywood-Püppchen denkt, liegt komplett falsch. Die Frauen in Claudias Verein sind teilweise echte Muskelpakete: „Die Frauen bei uns sind keine Püppchen, da muss man auch mal 100 Kilo abfangen können. Unsere Männer sind durchtrainierter als mancher Fußballer. Man baut beim Tanzen sehr schnell Muskulatur auf, muss man auch, sonst verletzt man sich viel zu oft.“ Auch der Größenunterschied zwischen den Tanzpaaren kann zu Schwierigkeiten führen. So hatte Claudia anfangs Probleme, sich an ihren fast zwei Köpfe größeren Tanzpartner zu gewöhnen. Mittlerweile funktioniert die Zusammenarbeit aber ganz gut. Beim Paartanz hat man immer den gleichen Partner, so muss man sich nicht ständig auf jemand anderes einstellen.

Im Rock ‘n‘ Roll herrscht, wie bei fast allen Tanzsportarten, ein deutlicher Männermangel. Deshalb hat die Tänzerin vor acht Jahren eine Rock ‘n‘ Roll Formation in ihrem Verein aufgebaut. Hierbei tanzen 6-8 Frauen im Altern zwischen 18 und 24 Jahren zusammen als Gruppe. Um für die Wettkämpfe gut vorbereitet zu sein, trainieren sie 2-3 mal die Woche, vor Turnieren dann auch mal am Wochenende. „Es ist sehr wichtig, dass man zu jedem Training kommt. Gerade bei der Formation hat man eine feste Aufstellung und wenn dann jemand von uns fehlt, sieht das zum einen blöd aus, aber vor allem kann man dann auch nicht richtig trainieren“, sagt Claudia. 2-4 mal im Jahr nimmt die Gruppe an Turnieren, unter anderem an der Bayerischen und Deutschen Meisterschaft, teil. Als sie 2015 zum ersten Mal eine Meisterschaft miterlebten, lief das Ganze noch nicht so gut, aber mittlerweile sind sie immer in der vorderen Hälfte dabei. Zuletzt erreichten sie den 5. Platz (von 14) bei der deutschen Meisterschaft.

Ein schöner Nebenaspekt ergibt sich aus den Freundschaften, die Claudia mit ihren „Mädels“ aus der Formation pflegt. Gemeinsame Mädelsabende oder ein Abendessen zusammen sind dabei nach dem harten Training keine Seltenheit.

Zu den Trainings in der Formation kommen noch die drei Trainings pro Woche für den Paartanz, auch diese arbeiten immer auf die diversen Wettkämpfe hin. Dazu ist sie bei ihrem Verein im Vorstand, da bleibt am Ende nicht mehr viel Freizeit. Mit der Arbeit lässt sich das Tanzen jedoch sehr gut kombinieren: „Ich habe bei B&O flexible Arbeitszeiten, da kann ich auch mal eine Stunde früher gehen und hole das dann an einem anderen Tag wieder rein. Das lässt sich super vereinbaren.“

Allgemein lässt sich Claudia nie unterkriegen. Vor fünf Jahren ist sie bei einer Akrobatik heruntergefallen und hat sich drei Bänder am Fuß gerissen. Seitdem ist ihr Sprunggelenk instabil und sie merkt, dass es auch manchmal wackelig wird. Ansonsten hatte sie bisher zum Glück nur kleinere Verletzungen wie mehrere Kapselrisse. Das hält Claudia aber keineswegs auf: „Im Sport habe ich noch nie daran gedacht aufzugeben.“

Claudia erzählt, man merke, dass wenn die 2-Jahresgrenze überschritten wurde, die Leute auch bleiben. So war es auch bei ihr: „Wenn man einmal dabei ist, kommt man nie wieder weg!“ Auch als sie mal eine Zwangspause eingelegt hatte, da ihr Tanzpartner dann doch aufhören musste, war ihr ganz klar, dass Tanzen und die Gemeinschaft zu ihrer Leidenschaft gehört. Claudia hat in der Zeit auch andere Sachen ausprobiert und war oft im Fitnessstudio, aber die Kombination aus Koordination, Ausdauer und Kraft, die es beim Tanzen gibt, hat sie nirgendwo gefunden.

Einschränkungen durch die Pandemie

Während des Corona-Lockdowns konnte der Verein natürlich nicht wie üblich trainieren. Trotzdem hat Claudia sich stets fit gehalten: „Wir haben versucht uns die drei Monate seit März mit Onlinetraining fit zu halten, aber das ist nicht dasselbe.“ Im Zeitraum zwischen 17.06.2020 bis Ende Oktober durften sie endlich wieder trainieren. Das Hygienekonzept, welches eingehalten werden musste, war streng. Dies wurde aber mit der Zeit immer mehr gelockert bis der zweite Lockdown kam, weshalb nun wieder regelmäßiges Onlinetraining stattfindet.

Die Turniere sind selbstverständlich vorerst abgesagt, aber der Verband ist momentan in der Klärung, ob dieses Jahr noch Wettbewerbe stattfinden können oder ob es erst im Frühjahr wieder richtig weitergehen kann.

Claudia blickt trotz der aktuellen Umstände zuversichtlich in die Zukunft und hat große Ziele. Sie möchte mit ihrer Formation aufs Treppchen kommen. Auch im Paartanz möchte sie weiter nach oben. Mit ihrem Partner möchte sie auf der Deutschen Meisterschaft gut abschneiden.

Wir wünschen ihr viel Erfolg dabei!