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Drillinge aus Beton, Holz und Ziegel

10.11.2020, 14:11 Uhr | Gina

Auf dem südlichen Teil des B&O-Geländes stehen drei identische Häuser mit Satteldach und einem niedrigen Anbau. Nur auf den ersten Blick schauen sie gleich aus, auf den zweiten erkennt man, dass die Häuser sich sehr wohl unterscheiden: in ihrer Materialität und ihrem Fassadenbild. Sie wurden in jeweils monomaterieller Bauweise aus Beton, Holz und Mauerwerk errichtet und dienen als Gegenentwurf zu den immer komplexer werdenden Bauweisen.

Forschungsvorhaben „Einfach Bauen“

Dem Bau dieser drei Forschungshäuser war ein Forschungsprojekt an der TU München vorausgegangen. Die daran beteiligten Architekten und Ingenieure erarbeiteten die Grundlagen zu den Prinzipien des einfachen Bauens. Ihre Hypothese lautete, dass Wohngebäude mit einer hochwertigen und zugleich suffizienten Architektur, einer robusten Baukonstruktion und einer reduzierten Gebäudetechnik über einen Lebenszeitraum von hundert Jahren hinsichtlich Ökobilanz und Lebenszykluskosten der Standardbauweise überlegen sind. Beim Bau der drei Wohnhäuser auf dem B&O-Gelände setzte Architekt Florian Nagler diese Strategien des einfachen Bauens konsequent um.

Robust und klimagerecht bauen

Die Bauweise der drei Wohnhäuser ist monomateriell – beim ersten aus Dämmbeton, beim zweiten aus Massivholz mit Lufteinschlüssen und beim dritten Mauerwerk aus Hochlochziegeln. Die einschaligen Wandaufbauten erzielen eine ähnliche Dämmleistung wie hochkomplexe Wandaufbauten durch ein einfaches, althergebrachtes Prinzip: die Einkapselung von Luft. Um die Umwelteinwirkungen der Häuser – über hundert Jahre betrachtet – so gering wie möglich zu halten, wurde das Augenmerk auf die Langlebigkeit der verwendeten Materialien und damit auf einen geringen Ressourcenverbrauch gelegt. Auf Hilfsstoffe und materialfremde Sonderbauteile konnte weitestgehend verzichtet werden.

Die Haustechnik wurde ebenfalls so einfach wie möglich gehalten. Auch für den Bauherrn soll der Betrieb mit möglichst wenig Aufwand verbunden sein. Weggelassen wurde alles nicht unbedingt Notwendige. Auf Fußbodenheizung, Klimaanlage und elektrische Klingeln an den Wohnungstüren wurde verzichtet. Übrig bleiben Wasser-, Elektro- und Glasfaserleitungen – sämtlich in einem leicht zugänglichen Schacht zusammengefasst. Sobald die Häuser bezogen sind, werden in einem Monitoringverfahren die Verbäuche und der Raumkomfort in den drei Häusern gemessen und ausgewertet.

Die Anforderungen an die Häuser sind groß: Sie sollen robust und langlebig sein, wenig Energie verbrauchen und zugleich einen geringeren Wärmeeintrag haben, um einer Überhitzung vorzubeugen.

Nur die Gesamtheit der räumlichen, materiellen und konstruktiven Überlagungen führten zum Ziel. Dazu zählen die monomateriellen, einschichtigen Wand- und Deckenkonstruktionen, die konsequente Trennung von Baukonstruktionen und Techniksystemen sowie die Fenstergröße und Raumhöhe. Um dieses komplexe Gefüge an Zusammenhängen und Konsequenzen beurteilen zu können, wurden an der TU München im Vorfeld zahlreiche Berechnungen und Simulationen durchgeführt.

B&O möchte neben diesen Forschungshäusern noch weitere errichten, zum Beispiel eines aus Sandstein und eines aus Lehm.