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Unsere Helden des Alltags: Handwerk in Zeiten von Corona

01.04.2020, 13:04 Uhr | Gina

Michael ist seit über 6 Jahren als Maler bei B&O tätig, doch eine Situation wie aktuell durch die Corona-Krise ist auch für ihn neu. In unserem Interview berichtet der Berliner Kollege, was sich auf seinen täglichen Touren durch die Bezirke Lichtenberg, Prenzlauer Berg und Friedrichshain zu diesen Zeiten verändert hat und erzählt von seinen Erfahrungen mit den Mietern.

Hallo Michael. Du bist als Maler bei B&O den ganzen Tag unterwegs und hast viel Kontakt zu den Mietern. Wie sieht der Alltag eines Monteurs zu Zeiten der Corona-Krise aus?

Der unterscheidet sich nicht wirklich vom normalen Alltag. Man ist etwas vorsichtiger und bleibt zuerst an der Tür stehen, um sich zu erkundigen, ob alle gesund sind, aber ansonsten merke ich keinen Unterschied. Der Materialeinkauf ist etwas erschwert, denn es gibt einige Händler, deren Türen verschlossen sind. Dort muss man im Vorhinein anrufen und etwas bestellen. Bei anderen Händlern gibt es nur eine Sicherheitszone um den Tresen, ansonsten ist es ganz normal.

Gibt es seitens der Händler Lieferschwierigkeiten?

Bei der Beschaffung meiner Arbeitsmaterialien sind mir bislang keine Engpässe aufgefallen. Als Maler benötige ich hauptsächlich Farben und Lacke, die sind zum Glück vorrätig. Allerdings sind Handschuhe und Desinfektionsmittel aktuell nicht erhältlich.

Wie verläuft der Kontakt mit den Mietern?

In dem Moment, wo ich die Wohnung des Mieters betrete, ziehe ich meine Handschuhe an. B&O hat in der Vergangenheit außerdem Schutzmasken an die Monteure verteilt. Zudem bitte ich die Mieter den vorgegebenen Sicherheitsabstand von 2 m einzuhalten.
Eine ältere Dame musste ich darum bitten, mir während des Schreibens nicht über die Schulter zu gucken, schließlich zählt die Mieterin auch zur Risikogruppe. Sie wollte unbedingt wissen, was ich schreibe, aber sie hat auf meine Aufforderung ganz verständnisvoll reagiert.
Die Mieter werden bereits am Telefon sensibilisiert, dass sie bitte Abstand halten und dem Handwerker nicht zu nahekommen sollen. Wir können bei einem Verdacht den Auftrag natürlich auch abbrechen. Den Fall hatte ich einmal, da eine Mieterin mir bei der Begrüßung ehrlich gesagt hat, dass sie Kontakt mit einer infizierten Person hatte.

Die Mieter müssen momentan nach Ausführung des Auftrages nicht mehr auf dem Tablet unterschreiben, richtig?

Richtig, das sage ich den Mietern jetzt auch immer extra. Das wird aber alles akzeptiert, die Mieter sind da auch sehr sensibel.

Wie reagieren die Mieter auf dich? Gibt es Personen, die in Panik geraten, weil jemand Fremdes kommt?

Die Mieter können jederzeit den Termin absagen, wenn ihnen nicht wohl dabei ist, dass ich vorbeikomme. Allgemein ist es aber ein bisschen ruhiger geworden und ich habe nicht mehr ganz so viele Termine.

Hast du selbst Angst, dich anzustecken?

Im Prinzip kann ich mich als gesunder Mensch auch anstecken und gar nichts davon mitbekommen. Daher habe ich auch keine Angst, überhaupt nicht. Ich mache einfach meine Arbeit.

Ist der Zusammenhalt in eurem Team stärker geworden? Hat sich in dieser Hinsicht etwas verändert?

Der Zusammenhalt war vorher schon gut. Wir sind wirklich ein gutes Team, jeder unterstützt jeden. Wir haben einen Maler, dessen Frau der Risikogruppe angehört. Wir versuchen ihn so weit wie möglich zu unterstützen, indem er hauptsächlich die Gebäudetermine übernimmt und somit den Kontakt zu den Mietern vermeiden kann.

In den Medien werden aktuell die verschiedensten Berufsgruppen, wie beispielsweise Pfleger, Verkäufer, aber auch ihr Monteure, als „Helden“ hervorgehoben. Siehst du dich selbst jetzt als Held oder sagst du: „Hey ich mache doch nur meine Arbeit.“

Nein, ich sehe mich nicht als Held, ich mache einfach nur meinen Job.

Gibt es etwas, dass du dir in diesen Zeiten von den Mietern wünschen würdest?

Eigentlich nicht, ich kann mich wirklich nicht über die Mieter beschweren. Sie halten Abstand, sind verständnisvoll und wissen meine Arbeit als Maler zu schätzen. Kürzlich, als ich schon fertig mit meinem Termin war, kam ein Mieter extra noch zum Auto, natürlich mit Sicherheitsabstand, um sich bei mir für meine Arbeit zu bedanken. Die Mieter vertrauen uns und das ist schön.

Denkst du, dass dein Job bei B&O als Handwerker auch in diesen Zeiten sicher ist?

Gerade jetzt bin ich überzeugt davon, bei B&O einen sicheren Job zu haben im Gegensatz zu vielen anderen. Wir machen Handwerk fürs Wohnen, die Mieter brauchen jetzt in dieser schwierigen Zeit mehr denn je unsere Hilfe.

Vielen Dank Michael, dass du dir die Zeit für uns genommen hast!